Skip to main content

19.-22.08.2021

Düsseldorf

Herdeinbau mit Nebeneffekten, eine Bohrmaschine und eine Weltstadt

Wir sind am Donnerstag mit dem Zug von Zürich direkt nach Düsseldorf gefahren. Ohne Umsteigen „nota bene“. Die Bahnreise führte uns sehr nahe an dem von uns befahrenen Wasserweg, dem Rhein, zurück zur Parcosola, die im Medien-Hafen zu Düsseldorf die verdiente Sommerpause verbrachte. Bereits auf dem ganzen Weg dem Rhein entlang ist uns der Wasserstand dieses Fließgewässers mindestens als eher wieder tief in die Augen gestochen. Nun sehen wir es aber deutlich: im Hafen der Nordrhein-Westfälischen Hauptstadt steht der Pegel sogar auf sehr niedrigem Niveau. Auf alle Fälle ist er jetzt etwa fünf Meter tiefer als vor den Sommerferien, als wir nach dem Hochwasser den Hafen verlassen hatten. Eindrücklich. Die Hafenmauern erscheinen uns wie Staumauern.

Den mit dem Zug mitgebrachten Herd bauten wir am Freitagmorgen in die vorgesehene Luke ein (siehe auch die Geschichte vom 13.07.2021). Doch bemerkten wir, dass die laut Montageanleitung vorzusehenden Lüftungsöffnungen, die die Wärme des Herdes und der Herdregulierung abführen sollten, nicht eingebaut oder besser nicht ausgespart wurden. Ich könnte mir vorstellen, dass aus diesem Grund der Herd vor Ablauf der Garantiezeit ausgefallen war. Jedenfalls sagten uns die Störungscodes, solange sie noch angezeigt wurden, etwas von Überhitzung. So sind wir auf dem Weg zum Grosseinkauf in Sachen Lebensmittel gleich mit dem Taxi noch in einen Baumarkt gefahren, um einen entsprechenden Bohrer und eine Bohrmaschine zu kaufen. Irgendwie stimmt das doch. Ein Mann braucht einfach eine Bohrmaschine. Selbstredend mit Akku. Irgendwann merkt man, dass man sich von anderen nicht so sehr unterscheidet.  Habemus Bohrmaschine.

Freitags gegen den Abend kamen Barbara, die Mutter von Marianne, und ihr Lebenspartner Fritz auf die Parcosola zu Besuch. Mit einem herzlichen Apéro begrüssten wir die beiden an Bord. Sie werden einige Tage unsere Gäste sein, führt doch unsere Reise an den Geburtsort von Fritz in Herne im Ruhrgebiet, wo er auch seine Jugend und einen Teil seiner Ausbildung absolvierte.

Wunderbar wie Düsseldorf pulsiert. Die vielen verschiedenen Gesichter widerspiegeln das internationale Flair dieser Metropole. Und die Menschen sind unterwegs, sei es an der längsten Theke der Welt, um sich zu vergnügen oder in den vielen Fressbeizen in der Altstadt, den eher mondänen Lokalen im Medienhafen oder die jüngere Generation, die mit Zehntausenden von Mädels und Jungs an der Rhein Promenade parlieren, promenieren und sich zum Balzverhalten produzieren. Anders als bei uns ist die Polizei sehr gut sichtbar, präsent und patrouilliert in mindestens Vierer-Gruppen durch die Menge. Im Unterschied zur Schweiz, da halten sich die Gesetzeshüter eher bedeckt im Hintergrund, sind aber auch parat.

Im Hafen haben wir eine erste grüne Motorbootschule entdeckt. Sie bildet ihre Schüler mit einem Solar-betriebenen Elektromotorboot aus. Ohne Geräusch kurven die Schüler durch die Molen und parken in den leeren Anlegestellen zu Übungszwecken. Da die eine der wenigen Absauge-Stationen für Fäkalwasser im Hafen defekt war, fuhren wir eine Runde auf dem Rhein, um die Schmutzwassertanks zu leeren. Diese Infrastruktur ist halt auf dem Rhein nicht so domestiziert wie auf dem Bodensee. Somit laufen alle Fäkalien von den Schiffen direkt in den Rhein. Logisch ist aber, dass alle angeschlossenen Kommunen Kläranlagen betreiben. Die internationale Kommission zum Schutz des Rheins (IKSR), in der alle Anlieger- oder eben Wasserzubringerstaaten zusammengeschlossen sind, wahrt die vielfältigen Nutzungs- und Schutzinteressen in enger Zusammenarbeit. Zurzeit werden die Abwässer aus Industrie, Gewerbe und Siedlungen zu 96% in Kläranlagen gereinigt. In den vergangenen Jahren wurden die Schad- und Nährstofffrachten deutlich verringert und die Wasserqualität immens verbessert. Es bestehen allerdings weiterhin Probleme mit Mikroverunreinigungen wie Arzneimittel, Pflanzenschutzmittel und hormonaktive Substanzen. Diese Frachten können durch die herkömmlichen Kläranlagen nicht subtrahiert werden. In der Schweiz machte nach der Einführung des Gewässerschutzgesetzes 1971 der Bau von kommunalen Abwasserreinigungsanlage erhebliche Fortschritte. So waren doch 1990 bereits 90% der Bevölkerung an einer ARA angeschlossen.

 

About the author

Chrigel Hunziker und Marianne Ott