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4.-7.7.2022

Von Berlin Scharfe Lanke nach Berlin Tegel

Eindrücke einer grossen Stadt

Die erste Reise im Jahr 2022 starteten wir von der Scharfen Lanke in Berlin-Spandau (Untere Havel Wasserstrasse Kilometer 4) von unserem Winterlager nach Berlin-Tegel. Bei KM 0 bogen wir gleich in die Spree Mündung, die wir von hier acht Kilometer ostwärts bis zur ersten von uns nicht mehr durchfahrbaren Brücke erkundeten. Mit abgeklapptem Instrumententurm müssen wir 4.2 Meter Durchfahrtshöhe haben. Auf der Spree schauten wir vom Wasser aus Charlottenburg, die Siemens Stadt des Elektrokonzerns und das Heizkraftwerk Reuter des Vattenfall Konzerns an, mit grossem städtischem Kühlturm, der seit etwa drei Jahren stillgelegt wurde. Auf dem grossen Siemens Gelände ist viel im Bau. Etliche alte Fabrikhallen werden zurückgebaut, um neuen modernen Gebäuden Platz zu machen. Dann fuhren wir zurück zur Spree Mündung und auf der Havel-Oder-Wasserstrasse gegen Norden zum Tegelersee (KM 5) zum Hafen des Motor Yacht Clubs Tegel.

Bei der nächsten füssigen Stadtbesichtigung machten wir uns mit S- und U-Bahnen Richtung Potsdamerplatz auf den Weg. Dieser Platz war schon vor dem Zweiten Weltkrieg einer der meistbefahrenen Plätze Europas. Auf alle Fälle steht dort immer noch als gut sichtbares Relikt die erste Ampel dieses Kontinents. Quer und schräg über den Platz ist die abgerissene Berliner Mauer mit Granitsteinen gepflästert; sie ist im geteerten Strassen-Umfeld als Erinnerung und Mahnmal markiert. Daneben wird Aufbruch mit einer neuen Stadt demonstriert. Vom grossen Glasturm der Deutschen Bahn über das Sony Center und den Kollhoff Tower als sehr markante Gebäude sieht alles nach Wende aus. Die kürzliche Vergangenheit wird nur noch leicht markiert oder als Mahnmal dargestellt. Im Kollhoff Tower gelüstete uns die Aussichtsplattform in hundert Metern Höhe. Mit dem schnellsten Lift des Kontinents fuhren wir mit 8.5 Metern pro Sekunde mit einem «Thyssen» in das oberste Stockwerk. Ein «Schindler» wäre auch noch cool gewesen. Eindrücklich und fast unglaublich, was man in nur dreissig Jahren mit Gestaltungswillen und natürlich auch mit Geld fertigbringen kann. Chapeau. Schön zu betrachten ist der Tiergarten: inmitten dieser Grossstadt lädt der vier Quadratkilometer grosse Park zum Verweilen, Zoobesuchen, Sport, Seele baumeln lassen oder Schatten geniessen ein. Und auch das Schloss Bellevue sitzt in diesem Garten, berühmt als Amtssitz der Bundespräsidenten, zur Zeit von Frank Walter Steinmeier. Die Ernährung setzten wir oberhalb der ehemals geteilten Stadt mit einer geteilten Schwarzwälder-Torte fort, was wir vorher im Sony Center mit einer Leberknödelsuppe begannen. Dann ab mit der S-Bahn zum Bahnhof Zoo, ja genau dort, wo der Klassiker Film über Christiane F. gedreht wurde, «Wir Kinder vom Bahnhof Zoo».

Hier startet der Kurfürstendamm, auch «Ku’damm» genannt, die berühmteste und «köstlichste» Laden- und Vergnügungsstrasse Berlins. Bereits Mitte des 16. Jahrhunderts wurde er als Reitweg angelegt. Erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Breite auf 53 Meter festgelegt und die Strasse als Allee gestaltet, als der Bau der Villenkolonie Grünewald begann. Man kann sagen, dass alle Nobelmarken der Welt oder solche die nur so tun, hier vertreten sind. In den Seitenstrassen ist dann eher die irdisch, kulinarische Vielfalt der Welt sesshaft geworden. Mit Bruschette als Apéro beim Italiener und mit Tapas beim Spanier schliesst dieses «Sight seeing».

Der Hafen vom Yachtclub Tegel liegt geschützt durch natürliche Dämme nahe dem Stadtteil. Tegel ist eigentlich ein kleines Quartier mit etwa 35'000 Einwohnern. Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts dominierten hier die Borsig-Werke, welche Dampfeisenbahnen und im Krieg Waffen hergestellt hatten. Zu den modernen Bahnsystemen hatten sie den Anschluss verpasst. Heute hat die damals mit fünftausend Mitarbeitenden zur Grossindustrie gehörende Firma nur noch ein paar Hundert Leute, die sich mit Gaskühlung beschäftigen. Die Unternehmung prägte diesen Stadtteil immens. Sichtbar ist dies an den vielen un- und umgenutzten Fabrikhallen, den neuen Arealüberbauungen bis zu den grossen Siedlungen mit Arbeiterwohnungen. In Alt-Tegel pflegt man sich in Strassenbeizen zu verpflegen und den Abend zu geniessen. Mit den Bewohnern und Hafen-Nachbarn kommt es zu lustigen Sprachverbiegungen, Redensarten oder Floskeln so wie «Mäck Pom» für Mecklenburg-Vorpommern oder eben Moin, moin für guten Tag.

About the author

Chrigel Hunziker und Marianne Ott