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16.-18.7.2022

Vom Hafen Tempelhof nach Köpenick an der Spree

….und ein Anlegemanöver besonderer Art

Den Regenguss und die die Abreise der anderen Schiffe abwartend glitten wir leise aus dem Hafen Tempelhof (Teltow-Kanal KM 23) Richtung Osten bis KM 28. Gerade aus in den Britzer Verbindungs-Kanal in die Spree-Oder-Wasserstrasse von KM 26 bis 33, dann links Weg in die Müggel-Spree KM 0 – 2) in den Hafen Wassersport Zentrum Berlin.

Immer wieder reduzierten wir die Geschwindigkeit und nahmen Mass an den tiefen Brücken und schauten, ob wir wirklich unten durchfahren können. Es hat immer gereicht. Knapp, aber es hat eben gereicht.

Ein Telefon mit dem Hafenmeister sicherte uns ein Liegeplatz an der Aussenpier. Eher etwas wellig aber einfach zum Anlegen. Um mit der steuerbord Seite an den Steg anzulegen, wendeten wir gegen den Wind. Einfach und o.k. Aber die Böen waren so stark und teilweise über zwanzig Knoten, also fast vierzig Stundenkilometer. Neben dem Wind waren die vielen Tagesausflugsboote und Kursschiffe auf dem Wasser. Wir versuchten fünf Mal an der Pier anzulegen. Der Gegenwind war so stark, dass bei kleiner Geschwindigkeit, die zum Anfahren nötig war, der Wind das Schiff abdrehte und wir mit dem Rückwärtsgang und nur noch fluchtartig uns von der Hafenanlage entfernen konnten, damit wir weder andere Schiffe, die Pier noch unser Schiff demolierten. Die Kraft der Bug- und Heckstrahlruder reichten nicht, um das Boot dem Wind entgegenzustellen. Beim letzten Versuch steuerten wir genau gegen den Wind an und versuchten das Schiff mit allen zur Verfügung stehenden Rudern auf Kurs zu halten. Nur die kleinste Abweichung gab dem Wind die Angriffsfläche frei und das Boot wendete in wenigen Sekunden neunzig Grad ab, das die Landung verunmöglichte. Irgendwie ist das, wie wenn du versuchst, einen Ball auf einem Finger zu balancieren, nur hat das Teil achtzehn Tonnen. Wir steuerten also die genau angedachten Position an, um dann das Schiff kurz beizudrehen und mit der Kraft des Windes die Parcosola an die Pier zu drücken. Klar doch, dass wir die Fender bereits im vorherein auf der richtigen Höhe und an der richtigen Stelle setzten. Dazu mussten alle Seile genau am richtigen Ort schön gewickelt bereit liegen, um so schnell wie möglich das Schiff belegen zu können. Dann hat es geklappt. Motoren aus. Die Seitenfläche des Schiffes ist gegen fünfundvierzig Quadrat Meter, da kann der Wind schon arbeiten oder anders gesagt, auf der Binnenschifffahrt brauchst du ab zwölf Quadratmeter Segel bereits einen Segelschein.

Zu Fuss nach Köpenick, dieses Städtchen liegt am Zusammenfluss der Spree und der Dahme, mittelalterliche Stadttradition deuten nur noch auf das um die vorletzte Jahrtausendwende erhaltene Stadtrecht hin. Von Burgen oder deren Grundrissen ist nichts mehr zu sehen. Nur das Schloss Köpenick das Ende des sechzehnten Jahrhunderts erbaut wurde steht in einem niedlichen Park direkt and der Dahme unweit des Zusammenflusses in die Spree auf einer kleinen Halbinsel. Die Altstadtkerne sind recht erhalten. In Nebengassen sind aber einige Geschäfte zu sehen, die den Sprung in die Marktwirtschaft noch nicht geschafft haben. Das Rathaus und davor sind die Gebäude aber sehr schön renoviert. Weltbekannt wurde der ostpreussische Schuhmacher, der als Hauptmann verkleidet mit gutgläubigen Soldaten im Rathaus den Bürgermeister verhaftete und die Stadtkasse klaute. Viele Theaterstücke und Filme folgten darauf. Ich kann mich nur noch an den Film, der Hauptmann von Köpenick mit Heinz Rühmann erinnern.

In dieser Stadt steht auch ein sehr grosses DDR-Neubaugebiet, das Allende Viertel im Sinne von Plattenbauten mit fast siebentausend Wohnungen, das in zwei Etappen erbaut wurde. Plattenbauten sind nichts anderes als ein mit sehr wenigen Elementen (Platten) erstellte Wohnbauten. Nasszellen wurden als ganze Elemente in die Bauten eingefügt. Die als Arbeiterschliessfächer benannten Siedlungen sind heute eher soziale Brennpunkte und sind nach der Rückführung oder Umwandlung der Deutschen Treuhand im Besitz der Kommunen geblieben. Der Sanierungsaufwand ist immens. Einige Siedlungen werden abgerissen, andere werden um einige Bauwerke reduziert oder werden von 15 oder 22 Geschossen auf drei oder vier Geschossen zurückgebaut.  Wohnungen zusammengelegt und Dachgärten angesiedelt. Auf diese Weise wird versucht eine bessere Wohnqualität zu erreichen und die sozialen Brennpunkte zu lindern.

Plattenbau oder Elementbau wurde auch in der Schweiz umgesetzt, Ein grosser Teil des Gutschickquartiers in Winterthur entstand in den siebziger Jahren im Elementbau. Im herkömmlichen Betonbau hat sich der Elementbau noch nicht richtig durchgesetzt. Im Gegensatz sind praktisch alle Holzbauten Elementbaten, werden hier doch alle Teile in Werkhallen vorgefertigt und am Bau nur noch zusammengefügt. Elementbau oder herkömmliche Bauweise ist nicht die Frage, sondern es ist nur essentiell wie man mit individueller Gestaltung umgeht, man kann mit jedem System Schönes oder Unschönes bauen.

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Chrigel Hunziker und Marianne Ott