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23.-29.09.2021

Genthin – Brandenburg – Potsdam – Marina Lanke zu Berlin und die Heimreise

Mit dem Schiff in eine Welthauptstadt

Nun sind wir schon bald am Ende unserer diesjährigen Parcosola- und Europa Wasser Reise und fahren noch den letzten Teil des Elbe-Havel Kanals. Bevor wir dann vor Potsdam in die Havel einfahren, beschliefen wir noch eine Übernachtung in Brandenburg. Aber eben immer noch Kanal. Die Ufer der Kanäle sind natürlich nicht so abwechslungsreich. Grobes Geröllufer oder eingerammt und Larsen. Die Havel aber beschert uns einen Übergang in eine wunderbar abwechslungsreiche Seenlandschaft mit leicht stürmischer See, nota bene. Vor uns fuhr ein dreier Schubverband, den wir natürlich nicht überholen wollten. Er war sicher gegen zweihundert Meter lang. So sind wir unter acht Kilometer in der Stunde hinter ihm hergefahren und sind fünfeinhalb Stunden ruhig und elektrisch hinter ihm her getuckert und konnten die Batterie optimal ausnutzen. Nun wird das Gebiet etwas touristischer und die Freizeitboote oder Kistenwohnboote übernehmen die Mehrheit gegenüber den Berufsfrachtschiffen und die Schiffe werden grösser, wir fallen nicht mehr so auf mit der Parcosola. Sind aber immer noch das einzige Hybrid Boot weit und breit. Nun in Potsdam werden die Seen grösser, die Häuser, Villen und Schlösser am Wasser sichtbarer und man merkt richtig, dass man in Richtung einer Welthauptstadt fährt.

Von weitem sehen wir einen Fernsehturm, aber der sieht nicht aus wie der berühmte Berliner Fernseh-Turm, der ja auf dem Alexanderplatz in der ehemaligen Ostzone steht. Aber den Turm, den wir auf der Einfahrt zu Potsdam sehen ist der Turm auf dem Schäferberg. Der Westturm, der ab den sechziger Jahren noch mit zwei 18 m Durchmesser grossen Parabolantenne für die Kommunikation zwischen Westberlin und Westdeutschland ausgerüstet war.  

Potsdam hat 180’000 Einwohner und sei eine der schönsten Städte Europas, sagen die Potsdamer selbstbewusst. Sie erscheinen aber nicht in der entsprechenden Liste des Internets.

Die Havel fliesst sehr breit und mündet immer wieder in rechten Seen. Viele Geschichten mit den dazugehörenden Gebäuden sind Zeugen aus vergangenen Zeiten. Als besondere Anlage gilt sicher das Schloss und die Gärten von Sanssouci (ohne Sorgen), das vom Friedrich des Zweiten im mittleren achtzehnten Jahrhundert gebaut wurde und als Sommersitz für die preussischen Könige und deutschen Kaiser benutzt wurde. Die Grösse dieser Anlagen erinnern sehr an die über dimensionierten Gebäude von Versailles.

Potsdam war auch immer ein intensiver Militärstandort. Was auch immer das heisst, seien die besten Regimenter in Potsdam stationiert gewesen. Das war zur Zeit des Friedrich des Grossen bis über die beiden Weltkriege und auch in der DDR-Zeit war die Stadt der westlichste Vorort des russischen Geheimdienstes KGB der sich mit grosser und viel technischer Infrastruktur nach dem zweiten Weltkrieg fast bis zu Wende hier einnistete. Dies war sogar in der DDR als verbotene Stadt bekannt.

Gerade zu diesem Thema gibt es in Potsdam ein holländisches Viertel das Friedrich Willhelm der Erste als Kriegsgurgel bauen liess. Brauchte er doch zum Aufbau seiner Garnisonen eine zünftige Infrastruktur und dazu die nötigen Handwerker. Die eigenen Reihen konnten in diesem Fall nur das Kriegshandwerk oder wie man vielleicht heute sagen würde die hoch ausgerüsteten Schlägertrupps konnten aber keine zwei Steine aufeinander beigen, um ein rechtes Haus zu bauen. Darum brauchte der Feldherr Handwerker, die er anscheinend in Holland gefunden hatte. Damit sich die niederländischen Bauleute in Potsdam heimisch fühlten und ihre Baukunst gerne in diesem Gebiet verrichteten, wurde das holländische Viertel als Stadtteil gebaut. Es ist anscheinend das grösste Viertel mit einer holländischen Architektur ausserhalb der Niederlande. Heute ist das holländische Viertel eines der begehrtesten Wohnviertel und eine gern gesehene Ausgangsmeile in Potsdam.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fand in dieser Stadt die Konferenz der Siegermächte statt, die Deutschland und auch Berlin in die vier Zonen aufteilten.

Tante und Onkel von Marianne, Angelika und Volker wohnen in Potsdam und kamen zum Nachtessen zu uns an Bord um unsere Bordküche zu geniessen. Sie waren bereits in Hannover mit ihrer Tochter Tini bei uns zu Besuch. Ein guter Abend mit viel Diskussionen über Berlin, etwas Geschichte, Potsdam, Kunst und Kultur und einem «gluschtigen» Mehrgänger mit Bruschetta mit polnischem Lachschinken, gemischter Salatbowle, Riccotta-Basilikum-Pinienkernen Tortellini mit Parmesan und Beurre Noisette, Jungbullen Braten mit Markbein-Wurzelgemüse-Rotwein-Sud und rührgebratenem Gemüse und ein Vanilleeis Nascherli.

Am Sonntag schipperten wir von Potsdam Richtung Berlin auf der Havel. Es sieht so aus, wie wenn das Schifffahren verboten würde. Ich denke es waren alle Boote, Schiffe und alles was schwimmt auf dem Wasser und die Häfen waren wie leergefegt. Dazwischen wurden auch noch einige Regatten durchgeführt. Aufmerksames Fahren war Voraussetzung und gerne liessen wir den Seglern, Stand-up-Paddlern und Pedalos den Vortritt.

In der Marina Lanke in Berlin angekommen ist unser Winterliegeplatz. Dieser Hafen gilt als eine der grössten Anlagen in der deutschen Hauptstadt und hat alles Nötige an Handwerkern und Spezialisten in Reichweite. Können wir doch alle Servicearbeiten, kleinere Schäden ausbessern lassen, Vorbereitungen für den Winter, Unterwasserschutzarbeiten und Reinigungsarbeiten Vorort erledigen lassen. In nur einem Tag konnten alle Arbeiten besprochen und vergeben werden. Wunderbar.

Für den Mittwoch habe wir die Zugtickets im Internet gekauft. Eine Zugfahrt mit über achthundert Kilometern nur mit einmal Umsteigen. Berlin, München nach Winterthur. Nicht schlecht. Nur etwas hat nicht geklappt wir waren in München zwei Minuten zu früh angekommen. Diesmal reisen wir nicht mit leichtem Gepäck, denn die Welt ist noch nicht für Zugfahrer oder Zugreisende gebaut, um mit mehr als nur Handgepäck zu reisen. Es ist schlichtweg unmöglich eine Foto- und Filmausrüstung die etwa 50 kg wiegt mit einem Transporter mit Stückgut oder so von Deutschland in die Schweiz bringen zulassen. Gut ausgeruht und locker sind wir in Winterthur am Mittwochabend angekommen.

So, das wars von unserer schiffigen Reise 2021. Über Berlin berichten wir wieder im Frühling.

Wir bedanken uns herzlich für die Aufmerksamkeit und grüssen herzlich Marianne und Chrigel.

 

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Chrigel Hunziker und Marianne Ott