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30.06.2022

Eine coole Geschichte zum Deutschen Gesundheitswesen

Nicht nur Schiffe nehmen Schaden

Seit der Anreise mit dem Zug von Winterthur über München nach Berlin verspürte ich sehr starke Schmerzen in meinem rechten Bein. Mir war es nicht möglich, diesen Schmerz zu lokalisieren oder zu beschreiben. Tat aber weh wie die Sau. Ich konnte weder liegen, sitzen noch schlafen. Am schmerzfreisten war es eigentlich beim Spazieren. Den ganzen Tag herumlaufen, ist auch nicht die Lösung. Ein zaghafter Versuch mit mitgenommenen Schmerzmitteln zeigte keine relevante Wirkung und ohne Schlaf sind die Nächte einfach ziemlich lang. Auch wenn ich versuchte, diese mit einem sehr frühmorgendlichen Spaziergang zu beenden. Eine angetroffene Frau meinte, ein so früher Spaziergänger ohne Hund sei schon sehr auffällig oder wunderlich. Sie war dann sichtlich beruhigt, als ich sagte, dass ich wenigstens Hunziker heisse. Diverse Mails mit meinem Hausarzt führten auch zu keiner tauglichen Ferndiagnose, und die zusätzlich empfohlenen Schmerzmittel erzeugten keine markante Verbesserung meines Gesundheitszustandes. Nun musste der Gang zur deutschen Ärzteschaft angetreten werden. Nach diversen vergeblichen Versuchen, bei Hausärzten einen Rat zu bekommen, die alle keine neuen Patienten aufnahmen, starteten wir, meyne Marianne und ich mit dem Taxameter in die nächste Klinik, die über eine Notfallaufnahme verfügte. Sehr nett, aber ungewohnt wurde ich als ausländischer und nicht-europäischer Patient registriert. Ein Gespräch mit einer Ärztin auf dem Flur führte zum Abbruch dieser Pflegeanfrage, da dieses Spital weder Neurologen noch die notwendigen Untersuchungsgeräte im Hause hätten. Mit der neuen Spitaladresse und einem neuen Taxi begaben wir uns auf die weitere Arztsuchereise. Gut hatte die Patientenaufnahme in kurzer Zeit festgestellt, dass ein anderes Spital besser wäre, dies hätte ja auch erst nach stundenlanger Wartezeit und darauf folgender Untersuchung festgestellt werden können. Auf der anderen Seite von Spandau war die spitalische Notfallaufnahme gerade frei, und wir konnten die in der letzten Aufnahmestation ausgefüllten und mitgenommenen Eintrittsdokumente abgeben, und ich wurde ohne Marianne in den überschaubaren, aber recht besetzten Warteraum geführt. Begleitpersonen sind im maskenpflichtigen Spital nicht erlaubt und müssen draussen warten. Für eine längere Wartezeit wurde ein Buch und zum iPhone noch ein iPad in den Rucksack gepackt. Schon nach kurzer Zeit wurde ich freundlich zum Untersuch gerufen. Kompetent, eher wortkarg und mit Ultraschall versuchte der Doktorierte den Schmerzursachen auf den Grund zu kommen. Die Analyse ergab eine eventuelle Neuropathie, eine Krankheit, die diese Schmerzen verursachen könnte, bei denen aber Schmerzmittel nichts nützen, weil sie in diesem medizinischen Sinne keine Schmerzen sind. Mit einem Rezept und dem Termin für den nächsten Tag in der Tasche bestiegen wir das nächste Berliner Taxi, das uns über eine Apotheke zurück zum Schiff führte. Dies alles in nicht mal drei Stunden, zwei Spitäler, zwei Aufnahmen, eine Wartezeit, ein Untersuch, drei Taxifahrten und die Medikamente in der Apotheke abgeholt und alles freundlich. Da kann man aber gar nichts gegen das deutsche Gesundheitswesen sagen. Das ist super.

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Chrigel Hunziker und Marianne Ott